Rede zum SPD/GRÜNE-Antrag

Aus Erfahrungen lernen – Konzept der Familienzentren stärker an den unterschiedlichen Bedarfen von Familien ausrichten


Rede von Andrea Asch MdL, kinder- und familienpolitische Sprecherin

Andrea Asch (GRÜNE): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eltern brauchen Unterstützung. Sie brauchen Unterstützung bei der wichtigen Arbeit, Kinder zu erziehen und Kindern einen guten Start in ihr Leben zu geben. Dieser Bedarf an Unterstützung für Eltern wird immer größer, wie wir wissen. Das lässt sich sehr leicht aus den Zahlen und den Kosten für die öffentliche Erziehungshilfe ablesen.

Es gibt immer mehr alleinerziehende Familien. In Nordrhein-Westfalen sind es ungefähr 15 %, bundesweit sind es 19 %. Es gibt immer mehr arme Familien, immer mehr arme Kinder. Leider sind schon fast ein Viertel aller Kinder in Nordrhein-Westfalen arm. Sie leben in Bedarfsgemeinschaften. Genau um die Entwicklungschancen der Kinder aus armen Familien zu verbessern, brauchen wir eine entsprechende Begleitung der Eltern. Die außerfamiliäre Förderung der Kinder muss möglichst früh beginnen.

Die Kindertagesbetreuung und die Kitas sind der richtige Ort, um eine gute Förderung sowohl von Eltern als auch Kindern zu gewährleisten. Diese Einsicht ist nicht neu. Der Landschaftsverband Rheinland hat schon vor mehr als zehn Jahren das Modell der sogenannten „Häuser für Kinder“ entwickelt. Bei der rot-grünen Bundesregierung bekam das Kind 2002/2003 den Namen „Eltern-Kind-Zentren“. In Nordrhein-Westfalen fiel die Wahl 2006 auf den Namen „Familienzentren“.

Aber unabhängig von dem Namen steckt auch immer diese eine Idee dahinter: Man will die gut wahrgenommenen Angebote der Kindertagesbetreuung, diese niedrigschwellige Betreuung und den niedrigschwelligen Zugang für die Kinder und für die Familien dazu nutzen, auch Beratungs- und Unterstützungsleistungen für die Eltern anzubieten.

Wir alle wissen, dass es gerade bildungsferne Eltern und oftmals leider auch Familien mit Migrationshintergrund sind, die die Angebote für Familienberatung und für Familienbildung eben nicht nutzen. Es sind oft mittelschichtsorientierte Angebote. Genau das wollen wir ändern und verbessern.

(Beifall von den GRÜNEN)

Ich begrüße deshalb außerordentlich, dass von der rot-grünen Landesregierung das Projekt „Neue Wege zum Wiedereinstieg“ auf den Weg gebracht wurde, das sehr niederschwellig in den Familien ansetzt und bei dem es um Arbeitsmarkt- und Berufsorientierung geht. Das genau ist auch ein wesentlicher Teil der Familienzentren: dazu beizutragen, dass die jungen Eltern wieder in den Beruf zurückfinden. Dieses Projekt soll nach Abschluss ausgewertet und im Hinblick auf einen landesweiten Transfer überprüft werden. Das genau ist der richtige Weg.

Hilfen müssen gezielt zu Familien gebracht werden. Das ist ein Qualitätsmerkmal. Schwarz-Gelb hat Familienzentren aber nicht zielgerichtet gefördert, sondern sie nach Kinderzahl und nicht nach Bedarfslage aufs Land verteilt. Hier genau wollen wir umsteuern. Denn das ist das exakte Gegenteil von Bedarfsgerechtigkeit und Qualität. Hier gehen Rot-Grüne anders vor. Wir bringen die Unterstützung gezielt zu den Familien, wo sie gebraucht wird.

Alle Familienzentren erhalten seit diesem Kindergartenjahr mehr Geld. Wir haben die Familienhilfen um 4,5 Millionen € und die Familienbildung um fast 1 Million € aufgestockt. Selbstverständlich werden auch weitere Familienzentren 2011 zertifiziert. Ab 2012 werden neue Familienzentren dazukommen.

Aber wir werden einen Missstand beheben. Wir werden nämlich den Missstand beheben, dass sich von den bisher geförderten Familienzentren nur 8,6 % in sozialen Brennpunkten befinden, meine Damen und Herren. Das ist ein klarer Beweis für eine Fehlsteuerung in diesem Bereich.

(Beifall von den GRÜNEN)

Wir wollen nicht wie bisher mit der Gießkanne fördern, sondern wir wollen in den sozialen Brennpunkten die prekären, die armen Familien fördern, da wo die Probleme am größten sind.

Wir haben diese Familienzentren bereits jetzt mit dem Haushalt 2011 mit 2.000 € zusätzlich ausgestattet. Wir wollen sie – und das ist auch Ziel dieses Antrages und dieser Neukonzeption – zusätzlich mit weiteren Ressourcen stärken. Das haben wir Rot-Grünen so vereinbart.

Meine Damen und Herren, wir Grüne wollen, dass die Hilfen für Kinder und Familien endlich dort ankommen, wo sie am meisten gebraucht werden. Wir wollen den Teufelskreis von vererbter Armut durchbrechen. Daher müssen wir in der frühkindlichen Bildung der Kinder und bei der Unterstützung der oftmals leider überforderten Eltern ansetzen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Wir bringen mehr Qualität in die Einrichtungen, und wir hoffen und sind guter Dinge, dass mehr Kindern positive Entwicklungsperspektiven damit eröffnet werden. Kein Kind zurücklassen – das haben wir uns als Ziel und als Überschrift über unsere Familien- und Bildungspolitik gesetzt.

Vizepräsidentin Carina Gödecke: Ihre Redezeit!

Andrea Asch (GRÜNE): Mit dieser Neukonzeption der Familienzentren gehen wir weiter ein Stück in diese richtige Richtung. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall von den GRÜNEN)

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