Mindeststandards für Qualität der Mahlzeiten in Kindergarten und Schule
Rede von Andrea Asch MdL, kinder- und familienpolitische Sprecherin
Andrea Asch (GRÜNE): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, in der Problembeschreibung sind wir uns einig. Kinder benötigen ganz elementar für ihr Wachstum, für ihre Konzentration, für ihre Leistungsfähigkeit eine gesunde, eine ausgewogene und am besten auch eine ökologische Ernährung.
Dass dieses Ziel noch nicht erreicht ist, zeigen die Zahlen zur Fehlernährung von Kindern. Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist auch in unserem Land noch hoch, auch wenn wir – gottlob – noch von den traurigen Rekordzahlen, zum Beispiel in den USA, weit entfernt sind.
Auf den Anfang kommt es an, und das gilt natürlich besonders bei der Ernährung. Wichtig ist, dass die Kinder möglichst früh gesunde, ökologische Lebensmittel kennenlernen und auch genießen lernen, damit sich keine negativen Verhaltensmuster einschleichen. Das heißt, wir müssen möglichst früh anfangen, wir müssen in den Kitas anfangen, und das tut die Landesregierung auch bis jetzt schon. Sie unterstützt beispielsweise Vorhaben wie das Zertifikat „Kita vital“, eine neue Qualitätsauszeichnung für Kindertagesstätten. Und in diesen zertifizierten Einrichtungen sollen Kinder lernen, möglichst früh wichtige Impulse für eine gesunde Ernährung und auch für einen gesunden Lebensstil zu bekommen.
Ein anderer wichtiger Teil in den Kitas ist, dass Hauswirtschaftskräfte dort beschäftigt werden, damit die Kinder tatsächlich auch den Aspekt der Lebensmittelzubereitung mitbekommen, dass die Zubereitung von Mahlzeiten in den pädagogischen Ablauf eingebunden ist, dass sie beim Schnippeln, beim Vorbereiten mithelfen können. Das passiert in guten Kitas. Aber leider ist es so – und das müssen wir feststellen –, dass mit dem KiBiz und mit den veränderten schlechteren Rahmenbedingungen sehr viele Träger genau diese Hauswirtschaftskräfte entlassen mussten und dass dieser pädagogisch wichtige Teil, frisches Essen zuzubereiten, jetzt nicht mehr stattfindet. Da müssen wir ansetzen und wieder dafür sorgen, dass mehr Hauswirtschaftskräfte in den Kitas, in den Einrichtungen arbeiten können, um dort frisch zu kochen.
Wichtig ist, dass in den Bildungsgrundsätzen, die gerade in NRW für die Kitas in Erprobung sind, eine klare Orientierung für die pädagogischen Konzepte in diese Richtung gegeben wird. Das muss bei der Forderung, die von den Linken hier aufgestellt wird, Mindeststandards festzuschreiben, beachtet werden. Gerade in den Kitas ist es so, dass wir eine Vielzahl von freien Trägern haben. Es liegt in der Trägerhoheit, auch die Ernährungssituation und die Mahlzeiten zu gestalten. Es wäre ein Eingriff in diese Trägerhoheit, wenn verbindliche gesetzliche Mindeststandards vom Gesetzgeber formuliert würden. Da sind sehr enge Grenzen gesetzt.
Im Schulbereich ist es so, dass das Ministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft sehr eng mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zusammenarbeitet. Es gibt die Vernetzungsstelle „Schulverpflegung“; dort werden Materialien und ein Leitfaden zum Thema erarbeitet. Es werden Beratungsgespräche geführt und Fortbildungen angeboten.
Das Programm „Schule isst gesund“ wendet sich an die Schulgemeinde. Die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern werden eingebunden und für gesundheitsfördernde Ernährung sensibilisiert und auch begeistert. Das ist der richtige Weg, denn es ist sicher erfolgversprechender, wenn eine Schule insgesamt dieses Thema in ihr Schulleben mit aufnimmt, als wenn irgendwelche Mindeststandards, die zentral vorgeschrieben werden, abstrakt zugrunde gelegt werden. Nein, es muss gelebt werden. Das Thema gesunde Ernährung muss im Schulleben etabliert werden, weil nämlich nicht nur die reine Nahrungsaufnahme und die Qualität der Nahrung dazugehört, sondern auch der soziale Aspekt. Das gemeinsame Essen ist ein wichtiger Teil von Ernährungswissen und Ernährungsbildung.
Wir wollen diesen Weg weitergehen. Wir wollen, dass den Schulen, die sich als selbstständige Schulen weiterentwickeln, diese Möglichkeit gegeben wird. Wir sehen es auch nicht wie die Linken, dass durch zentral vorgegebene Mindeststandards Entwicklungen vor Ort eher behindert als gefördert werden.
Wir führen diese Diskussion im Ausschuss weiter, und wir werden uns weiter überlegen, wie man die gesunde Ernährung in Kitas und Schulen voranbringen und verbessern kann. Wir – und damit meine ich die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen und die SPD-Fraktion – wissen aber schon jetzt, dass das, was die Linken hier vorschlagen, nicht der richtige Weg ist. Ich freue mich trotzdem auf die Beratung im Ausschuss. – Ich danke Ihnen.
(Beifall von den GRÜNEN und von der SPD)

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